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23.03.2006 · OTZ

Mit Innovation der Tradition verpflichtet

Geraer Unternehmen der Textilbranche in Winterakademie vorgestellt - Ausstellung zur Buga Gera (S.B.). "Mit Innovation der Tradition verpflichtet" war Motto der Veranstaltung im Rahmen der von "Ja - für Gera" initiierten Winterakademie am Dienstag Abend im Haus Schulenburg. Und wie Dr. Volker Kielstein als Gastgeber eingangs treffend bemerkte, kamen dazu gleich drei "Betriebsteile" der traditionsreichen Schulenburgschen Textilfabrikation zusammen. Denn dort, wo 1897 die Schulenburg & Bessler OHG mit rund 2000 Lohnwebstühlen in der Langen Straße gegründet wurde, haben heute mit der getzner Textil Weberei GmbH und der Thorey Gera Textilveredelung GmbH Unternehmen einer Branche ihren Sitz, die Gera einst zur Blüte verhalf. Davon kann freilich keine Rede mehr sein. Aber was Innovation an traditionsreichem Standort in den Schoder-Bauten bedeutet, konnten die Chefs beider Firmen den Besuchern der gut besuchten Veranstaltung mit der Erläuterung hochmoderner Technologien recht anschaulich nahe bringen.

Am ersten April 1997 fiel im Zusammenhang mit der Modedruck-Insolvenz der Startschuss für die getzner Textil Weberei, einer Tochter getzner Textil AG, die wiederum Unternehmen der Getzner-Gruppe in Österreich ist. Mit 42 Mitarbeitern und 70 Webmaschinen hatte man begonnen, so Geschäftsführer Ralf Lechner. Heute produzieren 74 Mitarbeiter an 84 hochmodernen Maschinen rund 4,8 Millionen laufende Meter Gewebe, nach Bedarf in bis zu drei Schichten. Veredelt wird die Rohware am österreichischen Standort des Unternehmens, das jährlich zwei eigene Kollektionen präsentiert und weltweit exportiert. Als reine Lohnveredelung dagegen mit auch weniger Beschäftigten stellte Volker Thorey seine Firma vor, die seit 1994 in Gera ansässig ist. 1883 im vogtländischen Falkenstein gegründet, hatte man nach dem Krieg bei Augsburg neu angefangen. Von ehemals reiner Heimtextilienveredelung befinde man sich im Wandel zur Veredelung technischer Textilien und arbeite mit den modernsten Maschinen, die derzeit am Markt sind.

Die Palette ist extrem breit, reicht von Flammschutzgeweben über Fleck- und Bakterienschutz, Gewebe für den Medizinbereich und zur Luftverbesserung bis hin zu Energiesparrollos. Hoch motivierte und bestens ausgebildete Mitarbeiter seien wichtigstes Firmenkapital, so Thorey.

Die Textilindustrie lebt in Gera fort, wenn auch quantitativ längst nicht mehr wie in alten Zeiten. - Man müsse jetzt qualitativ aufrüsten auf den Gebieten Design und Produktentwicklung, so die Intention von "Überraschungsgast" Prof. Poser, Leiter des Fachgebietes Textildesign an der Hochschule für Kunst und Design Halle. Prof. Poser, der vor rund 50 Jahren in Gera gelebt hat, kündigte für den Zeitraum der Buga eine gemeinsame Ausstellung der Hochschule mit der Europäischen Vereinigung der Freunde Henry van de Veldes an. Sie soll erstmalig die vorindustrielle, industrielle und heutige Epoche der Textilproduktion dokumentieren und ebenso studentische Visionen. "Sie werden staunen", versprach er.





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