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21.11.2015 · Neues Gera

IBA-Kandidat „Vernetzte Stadt” (Interview Teil 1)

Neues Gera sprach mit den Projektpartnern Claudia Baumgartner, Dezernentin für Bau und Umwelt und Volker Tauchert, Vorsitzender des Vereins Ja – für Gera

Weshalb konzentriert sich der Verein Ja-für Gera auf die Entwicklung der Innenstadt?

Volker Tauchert: Von Beginn an konzentrierten wir uns auf eine nachhaltige Entwicklung der Innenstadt, da sie als Motor für die Gesamtentwicklung einer Stadt fungiert. Das ist auch in Gera nicht anders. Die Qualität des öffentlichen Raumes spielt dabei immer eine besondere Rolle. Deshalb haben wir uns mit der Gründung 2002 mit zum Ziel gesetzt, wichtige Plätze im Stadtzentrum attraktiver zu gestalten und somit ihre Anziehungskraft zu erhöhen.

 

Sie haben ja schon in anderen Städten gelebt und gewirkt – teilen Sie diese Einschätzung – war das auch dort ein solcher Schwerpunkt?

Claudia Baumgartner: Das Gesagte kann ich nur unterstreichen. In der Mitte jeder Stadt schlägt ihr Herz. Ich habe in Passau gute Erfahrungen mit gegenseitigem Befruchten bei der Attraktivitätserhöhung durch die Einzelhändler der Fußgängerzone und einem neuen Einkaufszentrum neben der Altstadt gemacht. In dem Kooperationsmodell „Leben findet Innen-Stadt“ hat Gemeinschaftssinn die Anziehungskraft der City erheblich erhöht. Die Investitionen dafür wurden zur Hälfte von Privat und zur Hälfte von der öffentlichen Hand mit Städtebauförderung gestemmt. Gemeinsam lockt man jetzt viel mehr Leute an. Eine Stadt reduziert sich aber nicht auf Einzelhandel, sondern braucht auch ein Netzwerk der Bürger wie bei Ja-für Gera.

 

Herr Tauchert, wie wichtig war Ihnen damals der Start auf dem Marktplatz?

Zunächst hatte für uns der Marktplatz, die gute Stube jeder Stadt, oberste Priorität. Die Ostseite war zur BUGA 2007 ein städtebaulicher Missstand, welcher das Image unserer Stadt stark beeinflusst hat. Mit über 120 Veranstaltungen/Aktionen in 5 Jahren haben wir den Markt nicht nur mit zahlreichen Akteuren bespielt, sondern auch dafür geworben, den Markt auch in schwierigen Zeiten in Anspruch zu nehmen - eine wichtige Grundlage für neues Vertrauen von Investoren und Betreibern, und das gilt nicht nur für den Mark.

 

Vom Markt sind sie dann in den Steinweg „gewandert“?

Volker Tauchert: Nachdem der Markt sich gut entwickelte sind wir 2008 dann zur nächste „Wunde“, dem Steinweg. Gerade dieses interessante Altstadtquartier war leider weggebrochen. Auch hier ging und geht es uns um die Unterstützung von Investitionen. Schwerpunkte sind hier Zwischennutzungskonzepte, gepaart mit Veranstaltungen und Gestaltungsmaßnahmen. Wir können heute mit Freude feststellen: Der Steinweg kommt! Wie auf dem Markt wurde und wird durch kreative und mutige Menschen investiert!

 

Welche Hintergründe gab es für das Konzept „Gersche Meile“, das seit langem die Tätigkeit des Vereins bestimmt?

Bei jedem Handeln ist es wichtig, immer das Besondere in den großen Zusammenhang zu stellen. Die Stadt ist seit 2000 durch private und städtische Maßnahmen, für welche die Städtebauförderung gut genutzt wurden, sowie durch ein beachtliches bürgerschaftliches Engagement unterschiedlichster Akteure attraktiver geworden. Wie wir alle wissen, gab es einen großen Schub durch die Bundesgartenschau Gera-Ronneburg 2007. Darauf sind die Geraer heute noch stolz. Damit gab es auch die Chance, den vollzogenen Attraktivitätsgewinn sowohl in Untermhaus, als auch in der Innenstadt, stärker zu verknüpfen. Und es galt, die weitere Entwicklung anzufassen. Das Konzept „Gersche Meile“ war geboren und der ISEK-Prozess bot eine gute Grundlage, die Umsetzung anzugehen.

 

Was bewog 2013 den Verein „Ja-für Gera“, die Flächen an der Breitscheidstraße konkret in das ISEK-Projekt des Vereins GERSCHEMEILE2030 aufzunehmen?

Volker Tauchert: Das Loch mitten in der Mitte ist uns nicht erst jetzt ein Dorn im Auge. Ich kenne keine Stadt unserer Größe und Bedeutung als Oberzentrum, die sich so lange an einem so bedeutenden Standort der City in diesem Übergangszustand präsentiert. Und das bei dieser Größe. Die Fläche ist so groß, dass der Geraer Marktplatz ungefähr sechs mal hinein passen würde. Wenn wir es in Zusammenarbeit zwischen Bürgergesellschaft, Verwaltung und Wissenschaft schaffen, hier ein nachhaltiges Zukunftsszenario zu entwickeln, welches durch die Zivilgesellschaft am Ort und Investoren von außen schrittweise umsetzbar wird, dann gibt es auch aus regionaler und überregionaler Sicht gute Chancen, ihre Bindekraft sowie ihr Anzugsvermögen zu erhöhen. Deshalb haben wir am 2013 in unserer Jahrestagung diese Überlegungen in den Mittelpunkt gestellt. Nach ca. 10 Jahren Stillstand ist die Beschäftigung mit diesem Teil des Zentrums dringend notwendig, um mit und für den Bürger diese Fläche unserer Stadt zurückzugeben. Zugleich wollen wir weiteren Imageschaden, der ohne eine zeitgemäße Entwicklung entstehen würde, verhindern.

 

Frau Baumgartner, wie sehen Sie das?

Ich wusste vom ersten Tag meiner Tätigkeit an, dass diese Fläche ein großes Potenzial für uns hat und dass sie einer hochwertigen Nutzung zugeführt werden muss. Am Besten im Dialog mit denen, die sich diese Fläche aneignen sollten, den Geraer Bürgern.

 

Warum erfolgte die Bewerbung zur Internationalen Bauausstellung (IBA) Thüringen?

Volker Tauchert: Der Projektaufruf der IBA Thüringen kam genau zum richtigen Moment. Die IBA Thüringen sucht innovative Projekte, die ein radikales Nachdenken erfordern und dem Fortschritt unserer Städte und unserer Bürger dienen sollen. Hier wird nach Beiträgen, in denen es anders gemacht wird als bisher, gefragt. Der Initiativkreis „Mitte“ hatte seine Tätigkeit im Rahmen der Gesamtstruktur des ISEK-Projektes aufgenommen und stellte fest, dass die erste Ausschreibung der IBA inhaltlich für uns wie der berühmte Deckel auf den Kochtopf passte.

 Claudia Baumgartner: Die Stadtverwaltung Gera hatte sich bei der IBA Thüringen beworben, die während der Ausarbeitung des Integrierten Stadtwicklungskonzeptes GERA2030 entwickelte Bürgerbeteiligung als verstetigter Prozess einzubringen. Die IBA Thüringen hat beide Anmeldungen ausgewählt mit dem Ziel, dass als Modellfall in einem kooperativen Verfahren Bürger und Stadt die Flächen an der Breitscheidstraße neu programmieren und gestalten.

 

Wie arbeiten sie zusammen?

Claudia Baumgartner: Die Zusammenarbeit zwischen Stadtverwaltung und Ja-für Gera hält schon Jahre an, wurde aber 2013 und 2014 fokussiert. Wenige Tage nach der Nominierung für die IBA Thüringen am 30. September 2014 haben sich die Projektpartner zusammengesetzt und den Arbeitsprozess strukturiert. Seitdem wird zielgerichtet zu dritt, also die IBA Thüringen GmbH, der Verein Ja-für Gera und die Stadt Gera, daran gearbeitet, den Fahrplan für die Entwicklung der Flächen an der Breitscheidstraße aufzubauen und ihn mit Leben zu füllen. Verlässlich Partner sind des Weiteren Europan Deutschland e.V. Berlin und das Büro StadtStrategen Weimar unter Ulla Schauber. Wichtig war der Schritt, mit einer formierten Bürger-Projektgruppe, die mit Mitgliedern des Initiativkreises Mitte des Vereins Ja-für Gera und Interessierten im Dezember 2014 gegründet wurde, erste Ziele für die Gebietsentwicklung festzuhalten. Diese sind als Kernbotschaften veröffentlicht. 

 

Wie passt nun die Teilnahme am städtebaulichen Ideenwettbewerb Europan13 in das Projekt?

Volker Tauchert: Die Fixierung der ersten Ziele für das Gebiet machte deutlich, dass die alleinige Abstimmung im Gespräch, durch Worte, nicht ausreichen wird, um die entwicklungsseitigen Fragen für das Gebiet zu klären. Die Projektakteure waren sich schnell einig, dass die Chance, verschiedene konzeptionelle Vorstellungen insbesondere von jungen Leuten, so wie es beim Wettbewerb EUROPAN13 europaweit erfolgt, zu erhalten, uns die Möglichkeit geben zu sehen, wie man das Gebiet entwickeln kann. EUROPAN13 bietet die Chance, aus verschiedenen Herangehensweisen die für uns beste auszuloten.

 

 

In der kommenden Woche folgt Teil 2 des Interviews.

 

 

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